Der Maulwurf

Europäischer Maulwurf

Europäischer Maulwurf

Der in unseren Breitengraden vorkommende und von vielen Gartenbesitzern zumindest verachtete, wenn nicht gar verhasste Maulwurf, ist eigentlich nur ein Vertreter der Familie der Maulwürfe. Innerhalb biologischen Systematik befindet sich die Familie der Maulwürfe in der Ordnung der Insektenfresser. Innerhalb dieser Ordnung sind 35 Arten verzeichnet, die wiederum in drei Untergruppen gefasst werden. Die einzige in Mitteleuropa vorkommende Art dieser Familie ist der europäische Maulwurf. Mit dieser Art haben es die Gartenfreunde also zu tun.

Den Mitgliedern der Familie der Maulwürfe ist gemeinsam, dass sie eine auf Insekten ausgelegte Ernährung und einen länglichen Körperbau mit kurzen Gliedmaßen aufweisen. Die meisten, aber nicht alle Vertreter der Familie der Maulwürfe leben unterirdisch.

Maulwürfe kommen ausschließlich auf der Nordhalbkugel vor und bewohnen bevorzugt gemäßigte Regionen. Ihre Lebensräume erstrecken sich vom Flachland bis in gebirgige Gegenden. Das Klima darf für den Maulwurf nicht zu trocken und nicht zu kalt sein.
Im weiteren werden wir uns mit den Merkmalen des Maulwurfs, der in Europa zuhause ist, beschäftigen. Der Name der Art lautet wenig überraschend “Europäischer Maulwurf” (fachsprachlich Talpa europaea).

Schon gewusst? Die Herkunft des Namens “Maulwurf” ist nicht einwandfrei geklärt. Fest steht, dass er wahrscheinlich nicht von “Maul” im Sinne der Mundöffnung abgeleitet ist. Vermutet wird, dass der Name sich vom althochdeutschen mu-werf (was so viel wie “Haufen aufschütten” bedeutet) zur heute gebräuchlichen Form entwickelt hat.

Anatomie des Maulwurfs

Der Europäische Maulwurf hat einen länglichen Körperbau und verfügt über eine Körperlänge (die so genannte Kopf-Rumpflänge wird ohne den Schwanz angegeben) von 10 bis 17 Zentimetern bei erwachsenen Tieren. Der Schwanz ist meist zwischen zwei und viereinhalb Zentimetern lang. Ausgewachsene Europäische Maulwürfe erreichen ein Lebendgewicht von 60 bis 120 Gramm.

Der typische Körperbau des Maulwurfs kann als rollenförmig beschrieben werden, der Körper ist länglich und die Extremitäten sind nicht weit abgespreizt. Der Kopf ist zugespitzt und erinnert in seiner Form an einen Kegel. Wie bei allen Maulwurfsarten fehlen auch dem europäischen Maulwurf die Ohrmuscheln. Die Augen sind sehr klein, liegen seitlich am Kopf und dienen vermutlich vor Allem zur Unterscheidung zwischen hell und dunkel, was dem Maulwurf den Ruf eingebracht hat, blind zu sein. An der Schnauze verfügt der Maulwurf über Tasthaare, die ihm bei der Orientierung helfen. Zudem hat er viele so genannte Eimer’sche Organe. Diese Sinneszellen ermöglichen es, neben den Tast- auch elektrische Impulse wahrzunehmen. So kann er Maulwurf seine Beutetiere wahrnehmen, da bei Muskelbewegungen derselben elektrische Impulse entstehen. Auch die Nase hilft dem Maulwurf bei der Orientierung und der Nahrungssuche.

Grabewerkzeuge des Maulwurfs

Grabewerkzeuge des Maulwurfs

Zu den herausstechenden Merkmalen der Maulwürfe gehören die ausgeprägten Grabewerkzeuge. Die vorderen Gliedmaßen sind für diesen Zweck besonders entwickelt, da sie neben dem Kopf liegen und die Handinnenflächen nach außen zeigen. Das Ellbogengelenk ist in Richtung der Schulter verlagert und dient dem Maulwurf zur Positionierung seiner Hände. Eine Gelenkverbindung zwischen dem Schlüsselbein und den vorderen Gliedmaßen – einzigartig unter Säugetieren – ist der Schlüssel zur Grabetätigkeit des Maulwurfs. Durch eine ausgeprägte Muskulatur kann der Maulwurf sein enormes Pensum erfüllen.

Die Hände sind unbehaart und enden in fünf Fingern. Die Vordergliedmaßen verfügen über einen sichelförmigen Knöchel, der die Handfläche vergrößert und so das Graben erleichtert. Die hinteren Gliedmaßen sind ebenfalls unbehaart, jedoch nicht so spezialisiert gebildet wie die vorderen.

Mit Ausnahme der Nase ist der gesamte Körper des Maulwurfs mit einer dichten Behaarung bedeckt. Dieses Wollhaar liefert eine ausreichende Wärmeisolierung und sich sehr weich, das festere Deckhaar fehlt. Die Färbung des Fells ist gräulich, kann jedoch in Einzelfällen ins Braune bis Schwarze variieren. In früheren Zeiten wurde der Maulwurf wegen seines weichen Fells sogar bejagt.

Am Schwanz ist der Maulwurf nur spärlich behaart. Diese Haare bieten vor Allem die Möglichkeit, die Orientierung durch Tasten zu verbessern.

Wie viele Vertreter aus der Ordnung der Insektenfresser verfügt der Maulwurf über einen kurzen Darm, der Verdauungstrakt ist recht einfach aufgebaut. Das Gebiss verfügt über 44 Zähne. Pro Kieferhälfte hat der Europäische Maulwurf somit drei Schneidezähne, einen Eckzahn, und sieben Backenzähne (aufgeteilt in Prämolare und Molare). Wie bei anderen Säugetieren auch, hat der Maulwurf ein Milchgebiss, das jedoch meist schon im Mutterleib, spätestens jedoch kurz nach der Geburt durch das endgültige Gebiss ersetzt wird. Die Zähne haben eine scharfe Leiste, die zum Zerteilen der Nahrung geeignet ist, sowie spitze Höcker, welche das Zermahlen erleichtern. Das Gebiss des Maulwurfs ist demnach gut an die fleischliche Ernährungsweise angepasst.

Verbreitungsgebiet und Lebensraum

Ein Maulwurf auf seinem erbauten Haufen.

Ein Maulwurf ruht sich auf seinem Haufen aus.

Der Europäische Maulwurf kommt, wie der Name vermuten lässt, in weiten Teilen Europas vor. Auch in Großbritannien ist er anzutreffen, erstaunlicherweise aber nicht in Irland. Nach Osten erstreckt sich sein Verbreitungsgebiet bis nach Sibirien. Da er gemäßigtes Klima bevorzugt, fehlt er sowohl in den kühleren nordeuropäischen Gebieten als auch in den Mittelmeer-Anrainerstaaten.

Sein Lebensraum sind vor allem Wiesen und andere, nicht zu trockene Böden. Daher fühlt er sich auch in den Gärten der Republik, in denen der Boden regelmäßig gewässert wird und daher gute Bedingungen für seine Grabetätigkeit bietet, wohl. Auch Äcker und anderes Kulturland bleibt nicht von der Aktivität des Maulwurfs verschont. Maulwürfe bewohnen meist ein ca. 2.000 Quadratmeter großes Revier. In den höheren Lagen der Alpen sind sie nicht zu finden, bis ca. 2.400 Höhenmeter kann man sie jedoch antreffen.

Lebensweise und Sozialverhalten

Wiese voller Maulwurfshügel

Wiese voller Maulwurfshügel

Maulwürfe sind grundsätzlich einzelgängerisch. Jedes Exemplar lebt in einem ca. 2.000 Quadratmeter großen Revier, in welchem es keine Mitbewohner duldet. Nur in der Paarungszeit im Frühjahr (meist in den Monaten März oder April) werden zwei ausgewachsene Maulwürfe in demselben Revier anzutreffen sein. Die Männchen breiten sich dann über ihr angestammtes Revier hinaus aus, um so eine Überlappung mit dem Revier eines Weibchens herzustellen.

Nach der Paarung zieht sich das Männchen jedoch wieder in sein Revier zurück und überlässt der Maulwurfsdame die Aufzucht der Jungen. Diese kommen nach einer Tragezeit von vier Wochen zur Welt. Als Nesthocker kommen sie blind und nackt zur Welt und werden bis zu sechs Wochen lang gesäugt. Nach ca. zwei Monaten verlassen die Jungen das Revier der Mutter und etablieren ihr eigenes. In der zweiten Jahreshälfte werden die Jungtiere geschlechtsreif, sodass sie sich bereits nach dem ersten Winter selbst an der Arterhaltung beteiligen.

Das Hauptziel im Leben des Maulwurfs ist das Auffinden von Nahrung. Da die Tiere eine hohe Stoffwechselrate haben, also viel Energie umsetzen, sind sie auf eine nahezu permanente Nahrungszufuhr angewiesen. Schon nach zwölf Stunden ohne Nahrung kann er verenden. Der Maulwurf ernährt sich hauptsächlich von Insekten, Regenwürmen, Larven und Schnecken. In seltenen Fällen kommen auch kleine Wirbeltiere auf den Speiseplan, etwa Echsen oder Nagetiere. Im Laufe eines Jahres nimmt der Maulwurf bis zu 30 Kilogramm Nahrung zu sich. Der Maulwurf hält keinen Winterschlaf und ist auch in den kalten Monaten unermüdlich auf Futtersuche.

Der Maulwurfsbau

Der Maulwurfsbau

Die Nahrungssuche teilt der Maulwurf in drei Wachphasen auf, die jeweils vier bis fünf Stunden andauern. In dieser Zeit gräbt er neue Gänge, durchstreift die bereits existierenden oder begibt sich sogar an die Oberfläche, um seinen Hunger zu stillen. Hat er dieses Ziel bereits erreicht, verbringt er die restliche Zeit damit, Vorräte anzulegen, um für schlechtere Zeiten gerüstet zu sein. Seine Vorratskammern liegen meist tiefer in der Erde, in ca. 60 Zentimetern Tiefe. Besonders beliebt als Vorrat sind Regenwürmer. Diesen beißt der Maulwurf den Kopf ab. Damit können sie sich zwar nicht mehr bewegen, sind jedoch weiterhin lebendig. Auf diese Weise hat der Maulwurf ständig frische Vorräte, auf die er an schlechten Tagen zurückgreifen kann.

Unter optimalen Bedingungen können Maulwürfe bis zu fünf Jahre alt werden. Dieses Alter erreichen die meisten Tiere jedoch nicht, der Großteil der Population besteht aus Exemplaren, die ein Jahr oder jünger sind. Neben dem Menschen, der dem Maulwurf aufgrund seiner Lebensweise das Leben schwer macht, zählen Umwelteinflüsse (Hochwasser, Dauerfrost) sowie Raubtiere (insbesondere Vögel wie Bussard und Storch, aber auch Fuchs und Marder) zu den Faktoren, die das Maulwurfsleben verkürzen können.

Der Maulwurf im Garten – Chancen und Risiken

Ärgernis Maulwurf

Ärgernis Maulwurf und sein Hügel

Aufgrund seiner Lebensweise ist der Maulwurf als Schädling verschrien. Diese Ansicht wird dem kleinen Säuger jedoch nur teilweise gerecht. Natürlich kann man die weithin sichtbaren Hügel, die der Maulwurf als Zeichen seiner Anwesenheit hinterlässt, als lästig und schädlich empfinden. Nicht umsonst wird Irland, wo der Europäische Maulwurf nicht heimisch ist, als das Land mit den schönsten grünen Wiesen gepriesen.

Es muss jedoch zur Ehrenrettung des kleinen Buddlers gesagt werden, dass ihm die Flora des Gartens keinen Appetit bereitet. Maulwürfe vergreifen sich, im Gegensatz zu Wühlmäusen, nicht an den Wurzeln der Preisorchidee oder den Kartoffeln. Zwar laufen ihre Gangsysteme knapp unter der Grasnarbe, sodass einige Wurzeln in Mitleidenschaft gezogen werden können, allerdings sind diese Schäden meist nicht stark genug, um tatsächlich für das Eingehen der Pflanze verantwortlich zu sein.

Vielmehr kann ein Maulwurf sogar nützlich sein. Durch seinen enormen Appetit verspeist er viele Insekten, aber auch Schnecken, Regenwürmer, Engerlinge und Mückenlarven. Somit ist der Hunger des Maulwurfs für Salatblätter und andere Nutzpflanzen ein wahrer Segen. Außerdem kann die Anwesenheit des Maulwurfs als gutes Zeichen für einen gesunden Boden gewertet werden.

Wegen seiner unermüdlichen Futtersuche und der damit zusammenhängenden Grabetätigkeiten tut der Maulwurf auch der Bodenqualität des Gartens gut. Durch die angelegten Gänge wird der der Boden gut belüftet, was zu einer günstigen Bodenqualität beiträgt. Weil der Maulwurf zudem ein strenger Gebieter über sein Revier ist, kann seine Anwesenheit zudem das Nicht-Vorkommen von Pflanzenschädlingen wie z.B. Wühlmäusen begünstigen.

All diese Faktoren bringen das Image des Schädlings, welches Maulwurf seit jeher anhängt, zumindest ins Wanken. Wenn Sie dennoch nicht auf die friedliche Koexistenz setzen und die Maulwürfshügel auf ihrem Rasen gründlich satt haben, gibt es einige Methoden, um den Maulwurf loszuwerden.