Die Wühlmaus

Eigentlich muss dieses Kapitel wie das bekannte Kabarett in Berlin “Die Wühlmäuse” überschrieben werden. Denn “Wühlmaus” ist keine spezielle Art von Mäusen, sondern eine Unterfamilie. Das bedeutet, dass sich unter dem Namen “Wühlmaus” ca. 150 Arten versammeln. Glücklicherweise lebt nur ein kleiner Teil dieser Arten in Mitteleuropa, sodass die Plage zumindest keine biblischen Ausmaße annehmen kann. Dennoch sind in unseren Breitengraden einige Vertreter aus der Familie der Wühlmäuse heimisch.

Feldmaus

Feldmaus Microtus arvalis.jpgCC BY-SA 3.0, Link

Die wahrscheinlich bekannteste Mausart (nach der Hausmaus) ist die Feldmaus. Neben der gemeinen Feldmaus, deren fachsprachlicher Name Microtus arvalis lautet, existieren weitere Feldmausarten in anderen Teilen der Erde. In Europa ist die Feldmaus eines der am häufigsten vorkommenden Säugetiere. Das liegt auch daran, dass die Feldmaus sich extrem schnell vermehrt und in vielen Umgebungen wohlfühlt.

Merkmale der Feldmaus

Die Feldmaus hat einen länglichen Körper, recht kleine Ohren, die meist vom Fell verdeckt werden, sowie kleine Augen. Auffällig sind die für Mäuse typischen Tasthaare an der Nase. Der Körper beträgt (Kopf-Rumpf-Länge ohne Schwanz) zwischen neun und zwölf Zentimeter Länge. Hinzu kommt der Schwanz, welcher meist zwischen 2,5 und vier Zentimetern länge aufweist. Das Fell ist meist gelb-bräunlich, an der Unterseite hell.

Verbreitung und Lebensraum der Feldmaus

Feldmäuse kommen in weiten Teilen Europas vor, ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich sogar weit nach Asien bis in die westliche Mongolei. Da sie gemäßigte Zonen bevorzugt, ist sie sowohl im nördlichen Europa (Skandinavien) als auch in Mittelmeerregionen nicht anzutreffen.
Die Feldmaus lebt bevorzugt in Ackerlandschaften, also Wiesen, Feldern und seltener, zum Leidwesen vieler Gartenfreunde, auch Gärten. In einigen Fällen wurden auch Bestände in trockenen Nadelwäldern nachgewiesen. Auf dem Speiseplan stehen bei Feldmäusen vor allem Gräser und Kräuter, aber auch Samen und Getreide.

Ihre Bauten bestehen aus Nistkammern, die in ca. 50 Zentimetern Tiefe liegen, sowie einem weitverzweigten System aus Laufgängen, die sowie ober- als auch unterirdisch verlaufen. Die Eingänge zum Tunnelsystem sind meist durch deutlich sichtbare Erdlöcher gekennzeichnet
Feldmäuse haben aufgrund ihres Vorkommens vor allem auf offenem Gelände und dem Umstand, dass sie sich häufig oberirdisch bewegen, vor Allem Raubvögel als Feinde. Jedoch gehören auch verschiedene Säugetierarten, unter anderem das wegen seiner Vorliebe für Mäuse so bezeichnete Mauswiesel, zu den Fressfreinden der Feldmaus.

Fortpflanzung der Feldmaus

Feldmäuse können sich rasant ausbreiten, was auch kurzen Tragzeiten und großen Würfen liegt. Charakteristisch für die Ausbreitung der Feldmaus ist die Zyklizität: Ca. alle drei Jahre steigen die Bestände dieser Art rasant an, bevor sie im nächsten Jahr deutlich zurückgehen.

Feldmäuse haben eine Tragzeit von 21 Tagen. Die blind und nackt geborenenen Jungen werden bis zu 18 Tage lang gesäugt. Besonders ist, dass die weiblichen Jungtiere bereits nach zwölf bis 14 Tagen geschlechtsreif werden, d.h. bereits in der Säugezeit selbst trächtig werden können. Da eine Begattung derart früh durchaus vorkommt, ist es möglich, dass eine Jungmaus im Alter von 33 Tagen selbst Mutter wird. Zum rasanten Wachstum der Population trägt auch bei, dass eine Begattung kurz nach dem Wurf ebenfalls keine Seltenheit ist. Somit können Mäusedamen innerhalb von einem Monat zwei Schwangerschaften durchleben und bis zu 25 Junge zur Welt bringen.

Schermaus

Ostschermaus (Arvicola amphibius)Von Adrian Pingstone – Bristol Museum, Bristol, England., Gemeinfrei, Link

Die Schermaus ist wahrscheinlich die häufigste in deutschen Kleingärten vorkommende Wühlmausart. Die bei uns heimische trägt den wissenschaftlichen Namen Arvicola terrestris und ist in weiten Teilen Europas verbreitet. Bei Gärtnern gefürchtet ist ihr Appetit auf Zwiebeln, Wurzeln und Knollen. Sie wird wegen ihres Erscheinungsbildes auch Große Wühlmaus genannt.

Merkmale der Schermaus

Die Ostschermaus hat einen gedrungenen Körperbau und ein langes, glänzendes Fell, das meist hell- bis dunkelbraun ist. An der Rumpfunterseite kann das Farbspektrum von weiß bis ins Gräuliche variieren.Die Schermaus ist der zweitgrößte heimische Vertreter der Wühlmäuse, hinter der Bisamratte. Die Besonderheit dieser Art ist, dass sie verschiedene Lebensweisen aufweisen kann. Neben Tieren, die an Land (terrestrisch) leben, gibt es auch solche, die am Wasser (aquatisch) leben.

Die Tiere der verschiedenen Lebensweisen unterscheiden sich auch in der Größe. Während aquatisch lebende Populationen eine Kopf-Rumpf-Länge von 13 bis zu 24 Zentimetern bei einer Schwanzlänge von zehn bis 15 Zentimetern, sind überwiegend an Land lebende Exemplare deutlich kleiner. Sie erreichen meist nur eine Kopf-Rumpf-Länge von 16,5 Zentimetern, der Schwanz wird bis zu neun Zentimetern lang. Dementsprechend ist das Gewicht der aquatisch lebenden Exemplare auch höher: Sie werden bis zu 320 Gramm schwer, während die an Land lebenden Tiere zwischen 65 und 130 Gramm auf die Waage bringen (und sich damit in dene Dimensionen des Maulwurfs befinden).

Verbreitung und Lebensraum der Schermaus

Die Schermaus lebt in den meisten Regionen Europas, ihre Verbreitungsgebiet erstreckt sich jedoch bis weit nach Asien. Während die Art auch im Iran und Sibirien zu finden ist, fehlt sie im westlichen Frankreich, der Südspitze Norwegens sowie auf weiten Teilen der iberischen Halbinsel.

Die terrestrischen Populationen, welche hierzulande den Gärtnern Kummer bereiten, sind vor allem in der Dämmerung oder nachts aktiv. Nur in Ausnahmefällen zeigen sich Ostschermäuse am Tag. Die an Land lebenden Exemplare bevorzugen offene Gebiete. Wegen ihrer Vorliebe für Wurzeln und Knollen sind sie daher in Obstplantagen, Gärten und Wiesen zu finden. Die Schermaus lebt in einem Gangsystem, ähnlich wie der Maulwurf. Beim Bau desselben wirft sie die charakteristischen Hügel auf, welche manche Gartenfreunde mit denen des Maulwurfs verwechseln. Meist lebt eine Wühlmaus in einem Gangsystem. Nur bei der Fortpflanzung und Aufzucht der Jungtiere wird der Bau von mehreren Exemplaren bewohnt. Die terrestrisch lebenden Exemplare ernähren sich überwiegend pflanzlich, sehr zum Bedauern der Besitzer der von ihnen bewohnten Grundstücke. In selteneren Fällen greifen sie wie ihre aquatisch lebenden Artgenossen zu tierischer Nahrung.

Ebenso wie Feldmäuse stehen Schermäuse bei Raubsäugern, etwa Fuchs und Wiesel, hoch im Kurs. Auch Raubvögel wie der Mäusebussard und, in der Nähe von Wäldern, die Schleiereule verschmähen einen Schermaus-Leckerbissen nicht. Zudem fallen Schermäuse immer wieder auch dem Spieltrieb der Haustiere des Menschen, insbesondere der Katzen, zum Opfer.

Fortpflanzung der Schermaus

Schermäuse verbreiten sich nicht so rasant wie Feldmäuse und kommen generell auch nicht in einer so hohen Populationsdichte vor. Meist leben höchstens 100 Schermäuse auf einem Hektar – bei Feldmäusen kann die Dichte um ein vielfaches höher sein.

Die Fortpflanzung der großen Wühlmaus geschieht in der Sommerhälfte des Jahres. Auch Schermäuse werfen mehrfach in einer Fruchtbarkeitsphase – bis zu fünfmal kann eine Wühlmaus im Laufe eines Jahres Mutter werden. Die Würfe sind zudem relativ groß und können bis zu neun Junge umfassen. Die Jungtiere kommen blind auf die Welt und öffnen im Schnitt nach neun Tagen ihre Augen. Mit 60 Tagen tritt die Geschlechtsreife ein. In Gefangenschaft, wo die Überlebensbedingungen deutlich günstiger sind als in der freien Natur, können Schermäuse bis zu dreieinhalb Jahre alt werden.

Rötelmaus

Rötelmaus (Myodes glareolus)CC BY-SA 3.0, Link

Die Rötelmaus ist eines der am häufigsten vorkommenden Säugetiere Europas und lebt vor allem in Waldgebieten. Ihren Namen hat sie ihrer Fellzeichnung zu verdanken, die meist rötlich-braun ist. Besonders in Wäldern kann Sie starken Schaden anrichten und wird deshalb als Forstschädling eingestuft.

Merkmale der Rötelmaus

Die Rötelmaus ist eine der kleineren Mausarten und verfügt über eine Kopf-Rumpflänge von meist sieben bis 13 Zentimetern. Der Schwanz ist zwischen drei und sechseinhalb Zentimeter lang. Die Ohren der Rötelmaus sind relativ groß und deutlich sichtbar. Tiere dieser Art werden zwölf bis 35 Gramm schwer. Die Größe und Gewichte der Tiere dieser Art unterscheiden sich von Population zu Populationen. Rötelmäuse können bis zu zwölf Jahren alt werden. Dies ist jedoch ein absoluter Ausnahmefall. Im Schnitt werden die Tiere anderthalb Jahre alt.

Das Gebiss der Rötelmaus ist ein typisches Nagergebiss: Es besteht aus einem großen Schneidezahn und drei Molaren (Backenzähnen) pro Kieferhälfte. Das Gebiss ist damit besonders angepasst an die Nahrung. Diese setzt sich überwiegend aus Pflanzenteilen zusammen. In Frühjahr und Sommer werden viele Gräser, Keimlinge und Sprossen verspeist, im Winter treten zu dieser Nahrung Moose und Pilze. Im Winter werden auch größere Mengen Rinde verspeist, was insbesondere zum Ruf des Schädlings beigetragen hat. Vor allem lebt die Rötelmaus im Winter jedoch von ihren zuvor angelegten Vorräten aus Bucheckern, Eicheln und anderen Samen. In kleinerem Umfang wird auch auf tierische Nahrungsquellen, etwa Spinnen und Insekten zurückgegriffen.

Verbreitung und Lebensraum der Rötelmaus

Rötelmäuse fühlen sich vor allem in bewaldeten Gebieten und gemäßigtem Klima wohl, weshalb sie in weiten Teilen Europas zu finden sind. In den südlicheren Gefilden hängt ihr Verbreitungsgebiet mit dem der Buche zusammen, sodass sie nur im Norden der iberischen Halbinsel zu finden ist. In den nördlichen Teilen Europas ist die Verbreitung der Rötelmaus an die Fichte geknüpft, weshalb sie auch in allzu nördlich gelegenen Gebieten nicht anzutreffen ist. Nach Osten erstreckt sich die Verbreitung bis ins Altai-Gebirge. Im Gegensatz zu anderen Wühlmausarten ist die Rötelmaus auch in Teilen Irlands zu finden.

Rötelmäuse leben in Gruppen zusammen und bauen unterirdische Gangsysteme, wo sie ihre Jungen aufziehen und Nahrungsvorräte anlegen. Die Nester der Rötelmaus sind aus den unterschiedlichsten Materialien erbaut, meist gehören weiche Fasern wie Moose dazu.

Die Aktivitätsphasen sind flexibel und passen sich auch an den Bestand von benachbarten Arten an. So sind Rötelmäuse, wenn eine nachtaktive Gelbhalsmaus in der Nähe lebt, meist tagaktiv, wohingegen sie im Sommer überwiegend nachtaktiv sind, um ihren tagaktiven Fressfeinden aus dem Weg zu gehen.

Fortpflanzung der Rötelmaus

Rötelmäuse leben in Populationen, bei denen die Reviere der Weibchen sich überlappen und meist ein Männchen im Revier mehrerer Weibchen lebt. Die Fortpflanzung geschieht in den Sommermonaten, in Jahren mit schlechter Samenausbeute der Bäume nur ca. drei Monate, in guten Jahren fast sechs Monate.

Nach 17 bis 24 Tagen Tragzeit werden blinde und nackte Jungtiere geboren. Das Fell entwickelt sich nach drei Tagen, braucht aber bis zu 25, um voll entwickelt zu sein. Die Augen öffnen die Jungtiere mit zwölf Tagen, nach etwa 20 bis 25 Tagen sind sie von der Muttermilch entwöhnt. Die Geschlechtsreife setzt nach etwa neun Wochen, unter Umständen auch früher ein. Untersuchungen haben gezeigt, dass weibliche Jungtiere, die sich noch in ihrem Geburtsjahr an der Fortpflanzung beteiligen, geringere Überlebenschancen im Winter haben als solche, die erst im Folgejahr zum Arterhalt beitragen.

Weitere Wühlmausarten

Erdmaus

Erdmaus (Microtus agrestis)Von Fer boei aus nl, CC BY-SA 3.0, Link

Die Erdmaus ist der Feldmaus in Aussehen relativ ähnlich und wird daher manchmal mit dieser verwechselt. Die Erdmaus bevorzugt indes eher feuchtere Habitate. Ihre bevorzugten Reviere liegen an feuchten Wiesen, lichten Wäldern und ähnlichen Gebieten. Die Erdmaus lebt mitunter auch in moorigen Gebieten. Sie hat ein dunkelbraunes, recht langes Fell und eine Kopf-Rumpflänge von 9,5 bis 13,5 Zentimetern. Die Tiere erreichen ein Gewicht zwischen 20 und nahezu 50 Gramm. Die Nahrung besteht überwiegend aus Gräsern und Kräutern, insbesondere in den Wintermonaten können Wurzeln hinzukommen.

Schneemaus

Chionomys nivalisVon DodoniEigenes Werk, CC BY 3.0, Link

Die in Europa in Teilen Asiens vorkommende Schneemaus ist kein Feind des Gartenliebhabers. Da die Tiere in Höhenlagen ab 1.000 Metern leben und größtenteils felsige Gebiete bewohnen, sind sie für Gartenbesitzer keine Plage.

Bisamratte

Ondatra zibethicus CT.jpgVon CephasEigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link

Entgegen ihres Namens gehört die Bisamratte ebenfalls zur Familie der Wühlmäuse. Sie baut unterirdische Baue, deren Eingänge meist unter der Wasseroberfläche liegen. Bisamratten leben an stehenden und Fließgewässern und sind daher nur in Ausnahmefällen in Gärten anzutreffen.